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Bernhard G. Suttner sprach über die biblischen Zehn Gebote: "Unser bedrohlichster Götze ist der Konsumismus"

Murnau. Kann ein rund 3.000 Jahre alter Text dabei helfen, Probleme des 21. Jahrhunderts zu lösen? Beim gestrigen gemeinsamen Abend des Kreisbildungswerks und des "Offenen Kreises" der Evangelischen Gemeinde Murnau referierte der renommierte niederbayerische Erwachsenenbildner, Politologe und ödp-Landesvorsitzende Bernhard G. Suttner über die Aktualität der biblischen Zehn Gebote.

"Machet euch die Erde Untertan" oder "Der Mensch ist die Krone der Schöpfung" sind Aussagen, die oft für die massive Naturzerstörung mitverantwortlich gemacht werden. Als junger Erwachsener mit solcher und ähnlicher Kritik an der Bibel konfrontiert, machte sich Bernhard Suttner, der aus einem streng katholischen Elternhaus stammt, in den 1970er Jahren auf den Weg, den wohl bekanntesten Bibeltext, die Zehn Gebote, zu hinterfragen und zu untersuchen. Dabei gab er sich mit den herkömmlichen Interpretationen nicht zufrieden.

 

Sein neuer Blick auf die vertrauten Formulierungen der Zehn Gebote eröffnete den Zuhörern überraschende Perspektiven von provozierender Aktualität: Was haben etwa "Schnäppchenpreise" mit dem Mordverbot zu tun oder warum kann Konsum unter Diebstahlverdacht geraten? Vor allem aber seien, so Suttner, die Zehn Gebote nicht als Moralkorsett, sondern als Aufruf zur Befreiung zu verstehen: So gelänge die Abkehr vom Konsumzwang ebenso wie eine faire und gerechte Partnerschaft zwischen den Menschen in der einen Welt und mit den zukünftigen Generationen.

 

Das im ersten Gebot festgelegte Verbot des Götzendienstes warne etwa vor "Sinn-Systemen, die der Mensch selbst produziert, überhöht und denen er möglicherweise sogar die eigene Existenz opfert": Moderne Götzen seien zum Beispiel überhöhtes Karrierestreben oder ein ausgeuferter Körperkult - oder etwa "der Materialismus des täglichen Konsums, der die Lebensgrundlagen künftiger Generationen opfert". Auch das dritte Gebot "Achte auf den Sabbat" sei für die heutige Zeit hochaktuell; wer endlos arbeite und dauernd unter Strom stehe, ruiniere sich und die Welt. Ruhephasen seien zulässig und sogar notwendig - nicht nur, um einem Burnout vorzubeugen. Wenn die Gebote 9 und 10 vor Begehrlichkeiten warnen, so will uns dies laut Suttner dazu anhalten, wohlwollend und sogar dankbar auf die eigenen Verhältnisse statt neidvoll auf den Nachbar zu blicken.

 

Bei der angeregten Diskussion standen die schnelle Zunahme der Weltbevölkerung, die weltweit unterschiedlichen Lebensstandards sowie die Wichtigkeit der Friedfertigkeit im Mittelpunkt. Und Vortragsmoderator Rolf Beuting, gleichzeitig Gemeinderat in Murnau, merkte an, dass Nächstenliebe und Freiheit auch in der Kommunalpolitik wichtige christliche Werte sein sollten.

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